PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Krones Kindesmissbrauch

Stadtleben | aus FALTER 14/04 vom 31.03.2004

... Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn ...

Ps 22(21),8-9.17-18.19-20.23-24 (1. Zwischengesang am Palmsonntag eines Lesejahres C)

Sexualstraftäter, Kinderschänder und Verbrecher, die besonders grausam gegenüber ihren Opfern vorgegangen sind. Jene also würde Heinz Fischer, der Präsidentschaftskandidat, niemals begnadigen. Sehr ähnlich antwortete auch Benita Ferrero-Waldner, seine bürgerliche Gegenkandidatin. Da hatte die Kronen Zeitung eine Liste mit Fragen geschickt, und die Kandidaten saßen am Abend bei Salzstangen und Erdnüssen beisammen und berieten, was sie auf die vielen Fragen der Krone antworten sollten. Ich kann mir das gut vorstellen, wie Heinz Fischer mit seiner Gattin beisammensaß und Rat schlug. Über die bürgerliche Kandidatin reiße ich hier keine Witze, denn die wähle ich nicht. Sie ist wie ein vornehmes Restaurant, das ich nicht zu betreten wage, aber Heinz Fischer stand schon einmal bei einer Ausstellungseröffnung neben mir, vor vielen Jahren, kannte mich nicht, stellte sich daneben, war aber Parlamentspräsident, kam bei der Tür herein, es war eine Kanzlei, die nebenbei Bilder ausstellte, und es wurden zusätzlich Gedichte vorgelesen, und der Nationalratspräsident, kam so was von selbstverständlich bei der Tür herein, darauf achtend, keinen Lärm zu machen, dass es körpersprachlich gar nicht aufgefallen wäre, dass er Nationalratspräsident war. Dann lehnte er sich gegen einen der Schreibtische, die herumstanden (es waren keine Sesseln mehr frei), und war habituell ganz selbstverständlich in diesem schlichten Miljö, wo in einer Kanzlei Bilder ausgestellt, und Gedichte aufgesagt wurden. Ich glaube, es war in der Riemergasse. Und das war alles ganz weit weg, staatstragend, wie die Kronen Zeitung zu sein.

  Der also muss jetzt daheim gesessen haben und die Fragen beantworten, die die Kronen Zeitung den beiden kandidierenden zur Wahl des Staatsoberhauptes geschickt hat: "Wen würden Sie als Staatsoberhaupt niemals begnadigen?" Aber Heinz Fischer hatte schon längst nicht mehr den Mut, der Krone die ihr gebührende Antwort "Wurstsemmeldiebinnen" zu antworten. Niemals werde ich Wurstsemmeldiebinnen begnadigen. Denn die Kronen Zeitung muss rechtzeitig beginnen, das neue Staatsoberhaupt in die Pflicht zu nehmen. Wenn du hier mit "Wurstsemmeldiebinnen" antwortest, könntest du des kronenzeitunglichen Unernstes geziehen werden. Also, beriet die Familie Fischer voller Angst, musst du was Volksernstes antworten. Und was ist das allerallerbitterste Übel: Die Sexualstraftat, das ist das Schrecklichste.

  Alle lesen die Krone, und ist also die Krone der Hofburg, und was dort staatstragend ist, den Tonfall will weiterhin sie bestimmen. Der Herausgeber sitzt mit den Bundespräsidenten beim Guglhupfessen, und traut filmt der arte-Kanal diese beiden. In hundert Jahren wird er gezeigt werden, und Dichand wusste genau und zeigte sich täglich im noch schöneren farbigen Anzug. Der Mann von Welt in seinen schönen, weltläufigen Kleidern. Nathalie Borgers "Kronenzeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück" zeigt elegantes Kino, und schon bald wird niemand mehr erkennen, dass da was Kritisches zu sehen ist. Es wird ein großer Glanz gezeigt um einen staatsmännischen, eleganten Verleger, wenn der Film den künftigen Leserinnen der Krone gezeigt werden wird. Die große Gleichschaltung wird nicht mehr sichtbar werden.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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