VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 15/04 vom 07.04.2004

Das Leben läuft schneller als der Kalender, und so muss ich - wie versprochen, so gebrochen - Ihnen das letzte Woche hier gegebene Versprechen brechen. Das Gute daran: Erstens haben sie es sich eh nicht gemerkt. Und zweitens bin ich beim Blättern auf den "Fall Fux" gestoßen, der in Wirklichkeit der "Fall Fellner" war. Und da das damals ein Jahr her war, feiern wir bereits einundzwanzig Jahre Verfellnerung der österreichischen Medienlandschaft.

  Was war geschehen? Vor der Nationalratswahl 1984 war die erste Nummer der Fellner-Illustrierten Basta erschienen (Slogan: "Zeitung muss brennen"). Basta brachte eine Story, die eine literarische Satire auf den Salzburger Schauspieler und Grün-Politiker Herbert Fux für bare Münze nahm. Fast die gesamte Öffentlichkeit spielte mit, den Grünen war irreparabler Schaden zugefügt, Basta hingegen hatte es geschafft.

  Der Falter erinnerte vor 20 Jahren, ein Jahr danach, an den Skandal und sprach mit dessen Opfer Herbert Fux. Der resümierte die Geschichte so: "Eine geplante Vernichtungsstory, die ja auch unverblümt als ,wahlentscheidend' angekündigt worden ist. Klar ist, dass die Gründung dieses Basta unmittelbar vor der Wahl (...) kam, dass im SP-Papier von Herrn Mahr (Professor Hans Mahr, bekannt als Mahr-Hansi, damals Wahlkampfleiter der SPÖ, Anm.), das in seiner in Graz vergessenen Aktentasche gefunden wurde, ein beträchtlicher Posten für die Gründung einer neuen Jugendzeitung genannt gewesen ist, und dass außer dem Basta seither keine derartige Zeitschrift auf den Markt kam." Die Basta -Lüge hatte Folgen: Ihre Urheber wurden verurteilt, der Richter sagte, sie machten einen "ausgesprochen verlogenen Eindruck". Aber ihr publizistischer Aufstieg hatte begonnen, und nachdem die gefälschte Affäre weltweites Presseecho hervorgerufen hatte, schrieb Basta empört über einen in Bangkok erschienenen Artikel: "In Thailand verdreht man die Wahrheit noch mehr als in unseren Wochenblättern"! A. T.


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