PRESSESCHAU

Medien | GERALD JOHN | aus FALTER 15/04 vom 07.04.2004

Das Cover hat den Charme eines Computerabsturzes: Die Fotos verschwimmen, die Zeilen zerrinnen. Hat die Druckmaschine des Styria-Verlags das Zeitliche gesegnet? Nein, die altehrwürdige Presse ist nur eben in den neuesten Wettbewerb der Tageszeitungsherausgeber eingetreten. Thema: Wie verschandelt man sein Blatt am lukrativsten. Dabei sind mittlerweile wirklich alle Mittel recht - für Geld werden sogar die Frontpartien mit Werbung zugepflastert. Die Telekom durfte sich für ihr Viruskillerprogramm am Presse-Cover vergehen, der Standard - Pionier dieser unseligen Praxis - ließ unlängst die Computerfirma Hewlett-Packard ran. Wo der Leser sonst Schlagzeile, Inhaltsverzeichnis und "Ohrwaschl" findet, prangte ein scheußlicher grauer Fleck, der sich erst bei genauerem Hinsehen als Laptop entpuppte. Unfreiwillig ironisch der Slogan: "Ab heute neu für Leser", texteten die Werber. Auch der Kurier vergewaltigte schon sein Titelblatt: Die halbe Seite deckte eine Benetton-Coral-Flappe zu, die News nicht hässlicher gestalten hätte können. Heiligt die hartnäckige Krise am Zeitungsmarkt tatsächlich jede Geschmacklosigkeit? Resultat: Geld verdient, Gesicht verloren.


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