STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 15/04 vom 07.04.2004

Es ostert sehr. Zeit also, "seinen Mut zusammenzunehmen" und sich dem Hardcore leidenschaftlichen Glaubens zu stellen, wie dies Slavoj ZÇizÇek, Schrecken aller Softies, angesichts der "Passion Christi" vorschlug. Hier noch drei Glaubenshilfen. Schauwerte passionierten Christentums (Sektenumtriebe, Action in Mönchskutten, Kreuzigungsmordserien) bietet das Sequel eines französischen Erfolgsthrillers. In "Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse" hält Jean Reno abermals seine Kommissarsvisage allerlei Skript- und Regieeinfällen entgegen: Weil das Potpourri von Ruinen auch die Bunker der Maginotlinie umfasst, spielt der greise Christopher Lee den "Berliner Kulturminister Heinrich von Garten", der schon als Nazibesatzer hier konspirierte; und weil die Kamera das "ausreißende Weiß" stumpfsinnig genießt, geraten auch Plauderszenen zum blendenden Mysterium.

Da muss man glauben, denn man kennt sich nicht aus. Aber: "Jesus, du weißt". Unter diesem Titel hält Ulrich Seidl - Virtuose dokumentarischer Spiele mit Reflexion und Spürbarmachung von Alltagszwängen - Menschen im Gebet fest. Was dabei herauskommt, aus den intim zu Gott, uns und der Kamera Redenden heraussprudelt, sind Ängste, Traumata, Bosheiten.

  Wirkt Seidls Studie erstarrten Glaubens bewegend, so ist der in den USA zu Weihnachten gefloppte "Big Fish" als Lektion in Kinderglauben bizarr in aller Süßlichkeit. Ewan McGregor durchgrinst malerische Fifties-Gefilde mit Hexen und Riesen, Zirkusvolk und verwunschenem Dorf. Wieder frönt Tim Burton seiner passionierten Liebe zum Freak, Gott sei Dank ohne Affen, dafür ein bissl auf Forrest Gump im Lande Oz (inkl. Nordkorea). Am Totenbett erzählt der Vater (Albert Finney) dem Sohn sein Märchenleben, und der soll das glauben, und uns soll das rühren. Wer weiß, vielleicht klappt's; man weint ja so leicht. In diesem Sinne: Frohe Ostern, blaue Eier!


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