AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 15/04 vom 07.04.2004

Der Wiener Philosoph Peter Mahr wusste es schon im Jahr 2000: Die Rituale der vom Künstler Otto Muehl Anfang der Siebzigerjahre gegründeten Kommune Aktionsanalytische Organisation (AAO) weise große Ähnlichkeiten mit den Formaten des Privatfernsehens auf. Daher vergleicht Mahr die vor laufender Kamera absolvierten therapeutischen Selbstdarstellungsrituale der Muehl-Kommune mit dem Reality-TV von "Big Brother". In beiden Fällen dieser exhibitionistischen Preisgabe von Intimitäten würde eine Gruppe junger Leute ihre Bedürfnisse einem "zentralisierten Wirtschaften mit autoritär verteilten Aufgaben" unterordnen. "Gut möglich, dass die Konzeptleute des Medienspektakels der holländischen Produktionsfirma Endemol einst bei Muehls Kommune zu Gast waren und sich auf ihre Art gegen den unüberwindbaren Übervater post festum rächen", schreibt der ehemalige Falter-Redakteur in seiner "Einführung in die Kunstphilosophie", die diverse Aufsätze und Vorträge der letzten Jahre versammelt.


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