Fragen Sie Frau Andrea

Weisel

Stadtleben | aus FALTER 15/04 vom 07.04.2004

Mein nunmehriger Exfreund hat mir nach vier Jahren Beziehung per E-Mail den Weisel gegeben. Wiewohl ich die Vorteile dieser Methode durchaus sehe - sie erspart ihm die direkte Konfrontation mit Unangenehmem wie Tränen, Vorwürfen und Hysterie -, frage ich Sie: Macht man das heute wirklich so? Ich bin vierzig, er ist sechs Jahre jünger, kann es sein, dass ich da etwas nicht mitgekriegt habe vom Wandel der gesellschaftlichen Konventionen? Sollte ich mich darauf einstellen, vom mir hoffentlich bald begegnenden nächsten Partner per SMS um meine Hand gebeten zu werden? Und eine etymologische Nachfrage: Was bedeutet eigentlich "Weisel" ursprünglich?

Besten Dank,

Susanne, Wien 5

Liebe Susanne,

gesellschaftliche Vorgänge hängen am losen Gängelband der Kommunikationstechnologie. Zur Zeit der hohen Minne hätte ein liebessatter Sänger wohl zum Palimpsest oder zur fünfchörigen Laute gegriffen, um den Schmerz der Trennung anzubringen. Die Zeiten sind liebestechnisch also rauer geworden. Eine Freundin von mir bekam ihren letzten Weisel (der ein wienerisch-gaunersprachliches Derivat des juristischen Ausdrucks "Abweisung" ist) per Internet und Festnetz-SMS von einer Computerstimme auf ihren Anrufbeantworter aufgesprochen. Männer sind durchaus erfinderisch in diesen Dingen. Eine Short Message in Heiratsdingen dürfte also kein Problem sein beim nächsten Mann. Das Handanhalte-SMS sollte aber - ellmayergerecht - an den Vater der Braut gehen.

"Fragen Sie Frau Andrea" gibt es auch als Buch! dusl@falter.at


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