PHETTBERGS PREDIGTDIENST

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Stadtleben | aus FALTER 15/04 vom 07.04.2004

... Wir alle, die wir auf Christus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden. Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod ...

Röm 6,3-11 (8. Lesung in der Feier der Osternacht)

Manuel, der so sehr blühte gerade, aß vorige Woche griechisch, und in demselben Raum befand sich ein Hund. Zu dem beugte er sich hinab, vielleicht weil eine große Erlösungsbedürftigkeit das Tier erfasst hatte und Manuel diese Bedürftigkeit spürte oder nervte, vielleicht sogar mehr oder weniger unbewusst, und sprach die Worte über den Hund: "Bist Du müde?". Ich kann mir das gut vorstellen, wie das angenehm klingt, wenn ein strahlender, junger Mann, in der Blüte seiner Begehrtheit, wie er seinen Bogen kraftvoll zu spannen beginnt in die Offenheit und Möglichkeit hinein, sich zu einem kleinen, gequälten Hund hinabbeugt, in einem Speisenrestaurant zudem, wo Hunde nichts bestellen können noch dazu, sich also hinabbeugt und mit der Stimme junger Männer einfühlsam es erklingen lässt. "Bist du müde?" Und der Hund legte sich sofort hin und entspannte sich und ordnete seine divergierenden Nöte, vielleicht sogar in einen wohltuenden, erquickenden Schlaf hinein. So ungefähr könnte es bei Jesus auch angefangen haben mit dem Wunderwirken. Ein Schöner, der sich überhaupt herabbeugt zu mir, und dafür nicht zu schüchtern ist, würde mich allein schon dadurch zu ordnen beginnen. Und dann auch noch alles gelten ließe, was meinen Saustall ausmacht, der mich verheert, und eben dadurch mich aufwühlt. So einer erinnert an Tollwut, denn sie lassen nicht kuscheln mit sich die schönen Wilden. Und es ist also selten, also sehr selten pro Jahrtausend und Kontinent, dass so ein politischer Eros sich erhebt, und der wird natürlich von der Hierarchie als sehr störend empfunden, ob sie jetzt jüdisch, niederösterreichisch oder römisch wäre. Kultur ist eben die Evidenz ihrer Gefahr. Und da Jesus aber dann zugleich ganz wild darauf wurde, den Weg zu gehen, es also in ihm sein musste, gekreuzigt zu werden, hat er dann doch den Bogen überspannt, als er in dem Moment sozusagen ins Christentum übertrat. Und also gründete eine Gruppe schwer von der Neurose Jesu Erotisierter das Christentum.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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