VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 16/04 vom 14.04.2004

Afghanistan. Das haben wir in den letzten 20 Jahren nun wirklich ausgiebig in den Nachrichten gehabt. Aber 1984 ein doppelseitiges Gespräch mit Herrn Khazan Gul ins Blatt zu rücken, das konnte nur dem Falter einfallen. Khazan Gul? Ein deutsch sprechender "Kommandant einer Mujaheddin-Gruppe im Gebiet der Tani in Paktia", so wurde er vorgestellt. Und als Mitglied des sich dem Einfluss dubioser Exilparteien verweigernden, im Land operierenden Widerstands. Christian Reder, Essayist und Professor an der Angewandten, war damals im Falter engagiert und ebenso im österreichischen Hilfskomitee für Afghanistan. Er unternahm abenteuerliche Reisen dorthin, marschierte under cover zu Fuß nach Kabul (was er ebenfalls im Falter beschrieb) und interviewte immer wieder Afghanen, um die Situation dieses Landes zu illustrieren, das nicht nur im Kampf gegen die Sowjetunion blutete, sondern auch als symbolisches Territorium einer anarchischen Freiheit faszinierte.

  Khazan Gul ist mir nicht nur im Falter wiederbegegnet. In einem gerade erschienenen Buch (Christian Reder, Afghanistan, fragmentarisch. Springer-Verlag, Wien-New York) findet sich das Interview wieder, samt der Bemerkung, viele der einstigen Mitkämpfer hätten sich zu rechten Extremisten, in einigen Fällen zu gesuchten Terroristen entwickelt, während Khazan Gul selbst nach wie vor "für Unabhängigkeit, Demokratie und freie Wahlen" kämpfe. Reders Buch versammelt Betrachtungen zur Geschichte Afghanistans, des westlichen Afghanistan-Tourismus, zum Wirken der Geheimdienste und des Widerstands ebenso wie Reflexionen über "Sozialarbeit in der Fremde" oder "Anarchie als Gegenmacht". Und es bringt Informationen zur Geschichte und zur dunklen Zukunft dieses umkämpften Landes.

A. T.


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