STANDPUNKT

Dumpfes Dumping

Politik | aus FALTER 16/04 vom 14.04.2004

Die schwarze Kandidatin pfeift auf die Amtsvilla auf der Hohen Warte. Ihr roter Widersacher gelobt, dass ihn nichts und niemand aus seiner Privatwohnung in der Josefstadt bringen werde. Das Jagdschloss im steirischen Mürzsteg? Dort will Benita Ferrero-Waldner im Sommer nie und nimmer residieren. Vielmehr möchte sie den idyllischen Landsitz - Achtung, sozial! - zu einer "Einrichtung der Begegnung" für alte und junge sowie behinderte Menschen umfunktionieren. Doch der bescheidene Heinz Fischer hat Mürzsteg ohnehin schon längst abgeschrieben und - ha, Punkt für ihn! - eine Dienstwohnung in der prunkvollen Hofburg sowieso. Dafür rüttelt die Außenministerin am Bezügegesetz, das dem Staatsoberhaupt die Bezahlung einer Wohnung sichert. Als erste Amtshandlung wird sie sich dafür einsetzen, dass dieser schrecklichste aller Paragrafen entsorgt wird. Knappe zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl ist von einem Wettbewerb der besseren Inhalte noch immer keine Spur, stattdessen gibt's Kampfdumping in Sachen Privilegien, und wegen des Verteilens von ein paar Süßigkeiten wird das Schiedsgericht bemüht. Wie im Kindergarten. "Es ist zum Kotzen", jammert ein roter Wahlkämpfer, "aber da muss man einfach mitmachen, da kommst nicht aus." Wie viele sinnlose Debatten werden uns bis zur Wahl am 25. April da wohl noch blühen? N. W.


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