"Erbärmliche Frauenpolitik"

Politik | NINA HORACZEK | aus FALTER 16/04 vom 14.04.2004

FRAUEN Eine interne Studie des Innenministeriums bestätigt: Wer bei der Polizei Karriere machen will, sollte ein Mann sein. Sonst stehen die Chancen schlecht. 

Jobs gibt's nur dort, wo Karrieremöglichkeiten praktisch nicht vorhanden sind: beim Putzen, Tippen, also in niedrigen Verwendungsbereichen, wie es in einem unveröffentlichten Bericht der Arbeitsgruppe für Gleichbehandlungsaufgaben des Innenministeriums heißt. Momentan liegt der Frauenanteil im Innenministerium bei schlanken 17 Prozent. Nur in den Polizeigefängnissen ist mehr als ein Drittel der Beschäftigten weiblich. In Führungspositionen des Innenministeriums muss man Frauen weiterhin mit der Lupe suchen. Ganze 1,66 Prozent der leitenden Beamten sind keine Männer - und es sollen noch weniger werden. Die Verfasser der Studie prophezeien einen Rücklauf der Frauenquote bei den Uniformierten. Schuld an dieser Misere seien Einsparungsmaßnahmen, Ausgliederung und die Übernahme von Zollwachebeamten. All diese Maßnahmen gingen nämlich zulasten weiblicher Arbeitskräfte.

  "Das ist der Beleg für die erbärmliche Frauenpolitik von Innenminister Ernst Strasser", findet die grüne Wiener Stadträtin Maria Vassilakou. Denn erst kürzlich seien zwar etwa 300 Beamte in die Pension verabschiedet worden, "doch auch bei jenen, die nun neu eingestellt wurden, ist der Frauenanteil lächerlich", sagt die Stadträtin.

  Im Innenministerium kann man die Kritik nicht nachvollziehen: "In der bisherigen Amtszeit von Innenminister Strasser wurden erstmals Frauen mit Spitzenpositionen betraut", sagt die Sprecherin des Innenministers und verweist auf die Polizeivizepräsidentin, die stellvertretende Direktorin des Bundeskriminalamts und andere weibliche Spitzenbeamtinnen. Abgesehen davon gäbe es konkrete Projekte zur Frauenförderung und Erhöhung der Fachkompetenz von Frauen im Ministerium. "Und in jedes neue Projekt in unserem Haus sind unsere Gleichbehandlungsbeauftragten eingebunden."


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