PRESSESCHAU

Medien | NINA HORACZEK | aus FALTER 16/04 vom 14.04.2004

Was kann man von einer Gewerkschaftszeitung schon erwarten? "Herz oder Gewissen" titelt das ÖGB-Monatsblatt Solidarität in seiner aktuellen Ausgabe über die Bundespräsidentschaftswahl. Ein lockeres Heimspiel für den SPÖ-Kandidaten Heinz "Gewissen" Fischer und eine unvermeidbare Niederlage für Benita "Herz" Ferrero-Waldner, sollte man meinen. Irrtum! Objektiver Journalismus pur: In der Solidarität werden Fischer und Ferrero völlig gleich behandelt, sogar am Cover sind die Köpfe der beiden Kandidaten gleich groß abgebildet. Beide kriegen dieselben Fragen gestellt, und Fischer hat weder mehr Platz für seine Antworten zur Verfügung noch ein freundlicheres Foto als seine Konkurrentin. Stattdessen will die Soli wissen, wie die beiden zur Gewerkschaft stehen, was sie von Neutralität und Homo-Ehe halten und mit welchem politischen Programm sie in die Hofburg ziehen wollen. Keine "Kampflächeln"-Verarsche, kein Zuckerlstreit, keine Slogan-Klau-Diskussion. Scheinbar ist der knallrote ÖGB der einzige, der sich ans Fairnessabkommen hält - und das haben die Gewerkschafter nicht einmal unterschrieben.


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