FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 16/04 vom 14.04.2004

Reality-TV erniedrigt Menschen, macht sie zu armen Opfern des Voyeurismus und ist sowieso moralisch total daneben: So erregen sich selbsternannte Anstandshüter gerne, seitdem mit "Big Brother" das Realityfernsehen im deutschsprachigen Raum läuft. Selber schuld, kann ich da nur sagen, wenn sich diese jungen Leute freiwillig in den Container setzen, weil sie mit ein bissl Rummachen und Pickelausdrücken berühmt werden wollen. Aber jetzt ist etwas wirklich Verdammenswertes passiert. Klausjürgen Wussow, der abgehalfterte 74-jährige "Schwarzwaldklinik"-Doktor, wurde von seiner neuen geschäftstüchtigen Gattin und Managerin an "Big Brother" verhökert, um dort mit den Stripperinnen und Schlägertypen "Schwarzwaldklinik" zu spielen. Das ist mal eine echte Niederlage der Menschlichkeit, wenn ein alter, trauriger Mann, der angeblich seine fünf Sinne nicht mehr ganz beisammen hat, für 5000 Euro in ein TV-Gefängnis gesteckt wird. Menschen wie Wussow, die selbst nicht so richtig für sich entscheiden können, auf diese Art vorzuführen, ist einfach mies. Darauf sollten die Sittenwächter mal schauen, bevor sie sich über Sexspiele im Container erregen.


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