STREIFENWEISE

Kultur | D. ROBNIK / M. OMASTA | aus FALTER 16/04 vom 14.04.2004

Wir kennen das: In Kinomusicals fangen Leute oft unmotiviert zu singen und zu tanzen an und springen so aus dem Alltag in märchenhafte Parallelwelten. Ähnlich ist es in Alain Guiraudies "Pas de repos pour les braves - Keine Ruhe für die Helden", nur dass hier Leute unmotiviert anfangen, endlos zu sinnieren, irgendwas zu erzählen oder sich in redselige Sophismen zu versteigen, mit beinah tänzerischer Virtuosität und in einem Alltag, der ganz aus unversehens ineinander ragenden Parallelwelten besteht. In virtuosen Ensembletableaus und schlabbrigen Klamotten, in steten Übergängen zwischen Milieusatire, Beziehungskiste, Fantasy, Film noir, Roadmovie und Slacker-Ulk, mit Anklängen an Tati und Buñuel, Spike Jonze und "Donnie Darko" moduliert der Film durch französische Provinz und kreativpoolmäßig kalkulierte Weirdness. Am Ende erweist sich fast alles als geträumt oder als Werk des Schicksalsdämons Faftao-Laoupo. Das war aber eh klar. Anschauen schadet trotzdem nix.

  Selbiges gilt auch für die aktuelle Retrospektive der altehrwürdigen Breitenseer Lichtspiele. Noch bis 22.4. stehen dort Arbeiten der Gebrüder Kaurismäki auf dem Programm: darunter etwa Akis "Das Mädchen aus der Streichholzfabrik" (1989), das großartige Schlussstück seiner "proletarischen Trilogie", oder Mikas sehenswerte Musikdokumentation "Moro no Brasil" (2002). Und obwohl der ältere stets im Schatten seines jüngeren Bruders geblieben ist, hat's ja vielleicht auch sein Gutes, dass sich die Kaurismäkis - anders als die Wachowskis, Coens, Farrellys dieser Welt - bis heute nie gemeinsam als Regisseur an einem Film versucht haben.


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