PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Tex hat was mit Beckenbauer?

Stadtleben | aus FALTER 16/04 vom 14.04.2004

... Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben ...

Joh 20,19-31 (Evangelium am 2. Ostersonntag eines Lesejahres C)

Zum Beispiel Paparazzi, jene Spezies aus den Filmen meiner Kindheit, von Illustrierten unbegrenzt mit Mitteln ausgestattet, gewohnt in vornehmsten Häusern abzusteigen, und die süßen Pagen rennen um die Nudelsuppen zum Wienerwald schräg gegenüber, wenn sie es wünschen. Dann gehen sie außer Haus allerdings und werden ganz mindere Lauery. Sie lauern mit einem Fotoapparat den ganzen Tag und warten, bis die Zelebrität erscheint, um das Foto zu schießen. Dabei schwitzen sie und liegen den ganzen Tag auf der Erde. Davon handelt das neue Buch von Anko Ankowitsch und Tex Rubinowitz nicht. Es zeigt am hässlichsten Titel eine schummrige Szene am Pissoir, wo zwei Herren abgeschossen wurden während des Urinierens, und trägt dabei den Titel: "Wie Franz Beckenbauer mir einmal viel zu nahe kam" und ist soeben im Eichborn Verlag erschienen.

  Nämlich Rubinowitz lebt in einer aufgelassenen Möbelfabrik voll Wohngemeinschaften und ein Zimmer wurde aufgelassen, "Bernds Zimmer", weil der auf einen anderen Kontinent gezogen ist. Und in dieses Zimmer kommen viele Gästys, auch sehr oft der Anko Ankowitsch, der gleichfalls früher Falter-Redakteur war, dann zum Standard wechselte und dann zur Zeit. Und da wohnen sie in Bernds Zimmer, wenn ehemalige Bekannte zu Gast in Wien sind, und stehen am Gang und rauchen oder so was und dabei erzählen sie sich die Geschichte, als vor Jahrzehnten der alte Hut des Dichters Martin Walser vom Plafond gefallen ist.

  In dem Sinne also nützte Tex seinen Computer, um mit den Tausenden Foren, die Anko schon "seit 1970" zusammentrug unter Bonanza und nannte sein Forum "Die höflichen Paparazzi", also das waren die ohne Pagen und Nudelsuppen, die nicht verschwitzt im Staube krochen mit den Objektiven, die einen erschlagen könnten, sondern das waren alle die Universitätsprofessorinnen, denen zufällig irgendwelche Berühmtheiten zufällig am helllichten Tag bzw. auch des Nachts irgendwo, und sei es auf der Toilette, über den Weg liefen. Und als Motto stellte Tex Rubinowitz, durch dessen Ritze ja auch ich hier eindringen konnte, wie sintemalen der Teufel bei Papst Paul VI. durch eine Ritze eingedrungen sein dürfte, wie der Papst paparazzte. Texens wöchentliche Zeichnungen im hiesblattigen Falter lockten und belebten mich so sehr, dass ich ein Jahrzehnt später den Mut fasste, einen ersten Text dem Josef Egger, dem texgleichen Portier dieses Hauses, zu überbringen. Als Motto stellte Tex auf die Titelseite "Seid höflich und beschreibt genau."

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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