Fernsehen

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 17/04 vom 21.04.2004

Lobhudeleien über die "Lindenstraße" (So, 18.40 Uhr, ARD) hat es an dieser Stelle schon mehrfach gegeben. Und auch wenn ich dabei bleibe, dass dieses deutsche Qualitätsprodukt durch berührende Schlichtheit und zutiefst menschliche Schicksale besticht - HIV, Sexualmord, normaler Mord, Vergewaltigung, Ehebruch, Heroinsucht, Waiseninder, Neonazis, alte Nazis, Krebs, Suizid, Wahnsinn etc., alles dabei, was das Leben so bereit halten kann - muss man mal sagen, dass Listra-Erfinder Hans W. Geißendörfer in letzter Zeit ziemlich neben sich steht. Der Mann denkt sich immer eigenartigere Geschichten aus, zum Beispiel die mit Gaby und dem Postler Stephan. Die beiden sind verknallt, schmusen hinter dem Rücken von Gabys Mann ein bissl rum und gerade, als sie sich endlich im Hotel treffen wollen, verunglückt die untreue Gattin - und ertaubt dabei auch noch! So plump muss man die Moralkeule doch nicht schwingen und dass noch dazu bei der braven Gaby, deren erster Mann an AIDS gestorben ist, der zweite war ein Schwein und ihr Bub ist ihr auch noch ermordet worden. Zusätzlich ärgerlich für Fans: Die unnötigen Highlights der nächsten Folge am Ende der jeweiligen Episode versauen einem echt die ganze Spannung.


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