VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 17/04 vom 21.04.2004

Der so genannte Dialog mit dem Leser gibt doch immer wieder etwas her. 1984 veranstalteten wir eine Umfrage und zögerten nicht, das Ergebnis der Leserschaft zu servieren. In Anbetracht der Gefahr einer allergischen Reaktion auf dergleichen, die damals noch zu befürchten war (heute würde nur noch Gedränge um die ausgelobten Preise herrschen), galt es, bei der Präsentation der Ergebnisse Takt zu beweisen. So teilten wir auch die Veröffentlichung der neuesten Umfrage-Ergebnisse in zwei Teile, deren einer von den Wünschen, deren zweiter von der Sozialstruktur der Leserschaft handelte. Mit Takt allein war es aber nicht getan, bei solchen Gelegenheiten kam es vor allem darauf an, untertänigst Selbstironie darzutun.

  Infolgedessen gelangen Formulierungen wie diese: "Was also wollen Sie vom Falter? Schon die Existenz dieser Frage scheint eine Abweichung von unserer ehedem eisernen Position zu beinhalten, den Leser nicht zu kennen, ja gar nicht kennen zu wollen, damit wir uns besser auf das konzentrieren können, was wir zu sagen haben, und damit diese Aussage nicht in jener leicht gebeugten, knieweichen Haltung getroffen werde, die man einnimmt, wenn man eine halluzinierte Zielgruppe umschmeichelt. Abweichung immerhin. Andererseits mag ein wenig Neugierde nach sieben Jahren wohl erlaubt sein. Wir haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass Ihre Auskünfte für uns nicht Handlungsanleitung sein könnten - dazu sind wir zu stur. Einen Diskussionsprozess freilich haben sie zwar nicht ausgelöst, aber immerhin bereichert ..." Undsoweiter, undsofort. Das alles, um die verstörende Meldung zu verklickern, dass 85 Prozent der Befragten den Falter des Programmteils wegen kauften und 72,4 Prozent das Stadtleben besser fanden als Kultur (62 %), Politik (50%) und Sport (26%). A. T.


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