Die Mitte rückt westwärts

Politik | ROBERT MISIK | aus FALTER 17/04 vom 21.04.2004

OSTERWEITERUNG Für die Menschen im Westen war der Osten der Traum von der Flucht aus der langweiligen Posthistorie. Das grandiose historische Ereignis des Beitritts der zehn neuen EU-Mitglieder hätten sie dabei fast übersehen.

Als im Verlauf des Jahres 1989 die osteuropäischen KP-Regimes nacheinander fielen, erfüllte sich auch ein westeuropäischer Traum, ein Traum, der vielleicht gar nicht in einem engen Sinn politisch war. Die Landstriche jenseits dessen, was bis dahin der Eiserne Vorhang war, waren in den Jahren davor mythologische Regionen geworden, eine Art europäisches Arkadien. Eine seltsame Sehnsucht nach dem Osten hatte sich in den Achtzigerjahren ausgebreitet, erst kaum spürbar, dann nicht mehr übersehbar. Ausstellungen, in denen Ära und Raum der früheren Donaumonarchie in milde Farben getaucht waren, waren Publikumsmagneten geworden, aufgeklärte Konservative begannen von "Mitteleuropa" zu schwadronieren, und es gab viel gelesene Bücher mit programmatischen Titeln


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