Das kalte Herz

KARIN CERNY | Kultur | aus FALTER 17/04 vom 21.04.2004

THEATER Ein Mörder sucht Trost in der Musik: Edgar Allen Poes Erzählung "Das verräterische Herz" im Schauspielhaus. 

Wahrscheinlich ist der Mörder aus Edgar Allen Poes unheimlicher Erzählung "Das verräterische Herz" so etwas wie ein Hannibal Lecter ohne Disziplin und ohne Nerven. Zweifelsohne besitzt er erstaunlichen Kunstsinn: Den alten Mann, den er wegen dessen Auges - "es glich dem eines Geiers" - ermordet hat, zerstückelt er meisterlich, er versteckt die Leichenteile provokant unter den Dielen, und als die Polizei kommt, bittet er sie selbstbewusst zu einer höflichen Unterhaltung ins Todeszimmer und nimmt - was für eine Inszenierung! - siegessicher genau über der Leiche Platz. Wenn nur seine Nerven mitspielen würden: In seinem Kopf pocht das Herz des Ermordeten so laut, dass er alles gesteht. Der Wahnsinn, gegen den der Ich-Erzähler den ganzen Monolog lang angekämpft hat, schlägt nun mit voller Wucht zu.

  Im Schauspielhaus nähert sich Barrie Kosky, Co-Direktor und

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