SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 17/04 vom 21.04.2004

Die new space company zeigt im dietheater Künstlerhaus (bis 29.4.) "Cigla" vom kroatischen Autor Filip SÇovagovic´. Vor fünf Jahren wurde das Stück über vier Brüder während des Balkankriegs als bestes kroatisches Drama ausgezeichnet, in Italien gab's den Preis fürs beste europäische Hörspiel. Und das ist nicht verwunderlich. Rasant und liebevoll erzählt SÇovagovic´ die Geschichte von Cigla und seinen Brüdern, ihren Frauen und deren Exliebschaften. Sentimentalität schlägt blitzschnell in brutale Härte oder feinen Humor um, derlei Gefühlsachterbahnfahrten kennt man aus Filmen vom Balkan. Regisseur Volker Schmidt setzt für die österreichische Erstaufführung auf Slapstick und ein prächtig aufeinander eingespieltes Ensemble (großartig: Mathias Mamedof in der Titelrolle - wann werden wieder Nestroys vergeben?). Jogginganzugsfestspiele im Abbruchhaus, Spülsteindrama mit Kittelschürze: Neorealismo rules. Nur über die Musikauswahl (zu viel Tiger Lillies!) müsste man noch reden.

  Im dietheater Konzerthaus spielt das L.U.S.Theater "Dreier" von Jens Roselt (bis 8.5.). Der Berliner Autor ist auch Ironieforscher, dementsprechend hat seine rasante Dreiecksgeschichte (Frau treibt's mit dem besten Freund des Gatten) viele überraschende und vor allem komische Wendungen. In jedem Satz findet sich eine Bosheit, ein Gag, eine sprachliche Irritation - so klingt Boulevardkomödie heute. Regisseurin Margit Mezgolich lässt das Trio in der österreichischen Erstaufführung vor allem aneinander vorbeireden, sich unters Sofa verkriechen oder in einen Kühlschrank klettern - und tut dabei genau das Richtige. Auch so kann Boulevardkomödie nämlich sein: "Amok vom Feinsten" heißt es in "Dreier" einmal. Stimmt.


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