NÜCHTERN BETRACHTET

Krankheit als Chance

Kultur | aus FALTER 17/04 vom 21.04.2004

Sogar das Kranksein war früher irgendwie besser. Man kriegte von Mutter das Frühstück ans Bett serviert und teure Fruchtsäfte kredenzt. Heute, wo man sich endlich ein Hausmädchen aus Sri Lanka leisten kann, hat man das eh alle Tage. Außerdem musste man früher allenfalls ein paar Hausübungen abschreiben; heute wird einem in der Zwischenzeit die Mailbox dermaßen zugemüllt, dass man die paar relevanten Nachrichten unter den Angeboten von Druckertinte, Billigkrediten und versauten Teenagern sicher übersehen wird. Am schlimmsten aber ist, dass man sich heute mit einer soliden erhöhten Temperatur von beispielsweise 37,6 Grad Celsius nicht mehr angenehm gedämpft, sondern echt scheiße fühlt. Was bleibt einem da viel anderes übrig, als wenigstens das eigene Kind anzustecken - damit irgendwer was davon hat; vor allem die Mutter, die nun - da die Haushaltshilfe aus Sri Lanka außer Haus ist, um sich irgendwelchen aufwendigen 14-tägigen Waschungen zu unterziehen und Gewürze für Götter

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