VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 18/04 vom 28.04.2004

Es war im Café des Hotel Sacher. Franz Schuh traf den damaligen Feuilletonchef der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. Großkritiker Fritz J. Raddatz hatte gerade eine Erzählung geschrieben, "Kuhauge", der in den Feuilletons naturgemäß besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde. So auch im Falter. Hier eine kurze Passage aus dem umfangreichen, von zeremonieller Höflichkeit getragenen Gespräch:

Falter: Sie haben versucht, vor allem in ihren literaturtheoretischen Texten Ihre eigene Schreibpraxis in den anderen zu spiegeln?

Raddatz: Ja, da kommen Sie auf was ganz Wichtiges. Da kommen Sie jetzt vermutlich auf Ihre nächste Frage, nehme ich an, auf mein jüngstes Buch. ich nehm' Entschuldigung, die Frage vorweg.

Wir sind nicht so, dass wir jetzt sagen: Nein ...

Eine meiner Lieblingsstellen, die ich mir als Kiebitz bis heute gemerkt habe, ging dann so:

Falter: Herr Raddatz, wir haben hier einen Burgtheaterdirektor, der heißt Peymann, der wird kommen oder er wird nicht kommen ...

Raddatz: Sie sagen, wir haben - erstmal haben Sie ihn noch nicht.

Erstmal haben wir ihn noch nicht. Aber was wir schon haben, ist ein Gerücht, dass er ein Terroristensympathisant ist (...) Herr Raddatz, aus weltbürgerlicher Hinsicht, was sagen Sie dazu?

Ich weiß gar nicht, was die weltbürgerliche Hinsicht ist?

Das ist eine Wendung bei Kant

Wie gut, dass Sie so belesen sind ...

Ja, sonst könnten wir uns hier im Café Sacher kaum unterhalten!

A. T.


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