SPIELPLAN

Kultur | K. CERNY / W. KRALICEK | aus FALTER 18/04 vom 28.04.2004

Zwei Wiener in New York haben eine aberwitzige Idee: Sie wollen das "weltgrößte Musical der Welt" auf die Beine stellen; in zwölf Stunden soll die gesamte Menschheitsgeschichte durchgespielt werden, von Adam und Eva bis zu Lady Di. Um Geldgeber zu ködern, präsentieren die beiden im Schnelldurchlauf eine Billigvariante ihres hirnrissigen Projekts. Den Off-Broadway-Erfolg "Der Urknall" haben die als Kabarettduo bekannten Schauspieler Gerold Rudle und Herbert Steinböck in den Kammerspielen (bis 27.6.) ordentlich eingewienert - von Anspielungen auf den Präsidentschaftswahlkampf bis zur Saliera, die im Zimmer herumsteht. Alles in allem ist der Abend weder Ur noch Knall, sondern ein netter, harmloser Spaß, der nicht völlig danebenhaut, weil es sympathisch ist, mit welchem Elan sich die beiden in ihre trashigen Musicalideen schmeißen. Aber für Kabarett ist die Veranstaltung eindeutig zu lang - und für Theater ist sie zu nummernartig.

  Theater im Theater wird derzeit auch in der Drachengasse geboten, wo die Gruppe comPLEXtheater das Kammerspiel "Die Aufschreiberin" (bis 8.5.) von Hans Peter Krüger aufführt. Ein Schauspieler/Autor studiert mit einer Kollegin ein Stück ein, in dem es um das Arbeits-Liebes-Verhältnis von Bertolt Brecht und der Schauspielerin/Autorin Ruth Berlau geht, und natürlich vermischen sich zwischen Stück und "Stück im Stück" alsbald die Ebenen. Was sich auf dem Papier gefährlich nach Schulfunkpoesie anhört, ist in Ali M. Abdullahs räudiger Inszenierung ein erstaunlich unterhaltsamer kleiner Theaterabend. Auf der noch zusätzlich verschmälerten Minibühne des Bar-&-Co-Raums liefern einander zwei wirklich witzige Darsteller (Anita Gramser und Horst Heiß) ein gnadenloses Duell mit einer E-Gitarre, Perücken, schrecklichem Englisch und anderen verbotenen Waffen. Lässig!


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