GRENZBESUCH IM NIEMANDSLAND

Sodom, Babel, Chvalovice

Stadtleben | MARTIN LEIDENFROST | aus FALTER 18/04 vom 28.04.2004

Die Kirche von Chvalovice ist bei Tag und bei Nacht versperrt. Für Vera hat sie der Mesner kurz aufgesperrt. "Hier habe ich meine Kinder taufen lassen, mein Sohn hat hier geheiratet", erzählt die pensionierte Mittsechzigerin. "Damals war die Kirche nicht so schön wie jetzt. Die Kinder sind natürlich alle weggezogen. Wenigstens kriegen meine Enkel die ganze Schweinerei hier nicht mit." Verschämt lächelt der Mesner, als Vera die frisch gezimmerten Kirchenbänke zeigt. Die barocke Kanzel ist mit Detailversessenheit restauriert, Bilder und Statuen glänzen, renovierter kann eine Kirche nicht sein. "Die Nachtklubs zahlen ordentlich Steuern", merkt der Mesner leise an, bevor er wieder abschließt. "Und die Vietnamesen spenden sehr viel." Vietnamesische Händler und osteuropäische Prostituierte - sie sind im kleinen tschechischen Dorf an der Grenze zum Weinviertel mittlerweile schon in der Mehrheit.

  In Chvalovice geht man nicht zu Fuß. Wie die meisten Alteingesessenen fährt Vera Rad,


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