Kommentar

Der Festwochen-Effekt

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 19/04 vom 05.05.2004

Am Samstag habe ich in einer Theateraufführung meine Kollegin Nina Horaczek aus dem Politikressort getroffen. Dazu muss man wissen, dass Politikredakteurinnen (und -redakteure) sonst so gut wie nie ins Theater gehen. Des Rätsels Lösung: Es handelte sich um eine Festwochen-Aufführung (Ulrich Mühes quälend langweilige Heiner-Müller-Inszenierung "Der Auftrag"), und wie viele Stadtbewohner sieht auch Horaczek fast nur während der Festwochen ein Theater von innen. (Nina Weißensteiner wiederum besucht ausschließlich Aufführungen der Salzburger Festspiele, was ein weniger signifikantes Verhalten ist.)

Das Phänomen lässt sich einerseits mit dem typischen Festival-Effekt erklären: eine künstlich herbeigeführte Ausnahmesituation, die eine entsprechende mediale Druckwelle auslöst, von der man unweigerlich mitgerissen wird. Es "gehört" sich einfach, die eine oder andere Festwochen-Produktion besucht zu haben, so wie man mittlerweile auch die Viennale nicht ganz an sich vorbeigehen


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