SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK, KARIN CERNY | aus FALTER 19/04 vom 05.05.2004

Für sein neues Low-Budget-Projekt "Ausverkauf - Kein Theater Theater" hat der Off-Theater-Doyen Hubsi Kramar das in den Siebzigerjahren entstandene, aber nie aufgeführte Antitheaterstück "Der Hatschete, die Wampete, der Bartete" des Wiener Autors Peter Matejka ausgegraben. Der im Geiste von Handkes "Publikumsbeschimpfung" geschriebene Text ("Aus unserem Stück folgt alles und nichts") wurde in ein launiges und auch etwas albernes Pamphlet gegen aktuelle kulturpolitische Themen (AMS-Schauspielervermittlung, Theaterreform) umfunktioniert: Die Kunst des "Coachings" wird ebenso persifliert wie absurde Theaterkonzepte. Die Darsteller sind überwiegend Laien, die zum Teil sich selbst spielen, das Ganze hat den Charakter eines Bunten Abends. Nach der Premiere in der temporären Galerie Nutzraum 17 ist der Agit-Ulk diese Woche im Kabelwerk (bis 8.5.) zu erleben.

  Professioneller geht es im WUK zu, wo die Gruppe iffland & soehne "Venezuela" (bis 9.5.) vom Luxemburger Guy Helminger spielt. Regisseurin Anna Maria Krassnigg sucht mit ihrem durch die Bank überzeugenden Ensemble zugespitzte Körpergesten für die leicht minderbemittelten, aber sympathischen Loser, die sich in einer abgewrackten Satellitenschüssel nach oder statt der Schule treffen und in kurzatmiger Sprache Lügengeschichten über Heldentaten beim Surfen auf fahrenden Zügen erzählen. Einer der Trainsurfer ist draufgegangen, aber gemeinsam schrauben sie sich in die Fantasie, er sei nach Venezuela ausgewandert. Der Abend ist zwar eine halbe Stunde zu lang, aber ein gutes Beispiel für ein spannendes urbanes Jugendstück und eine Umsetzung, die energetisch und gekonnt mit Körperhaltungen jongliert.


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