Fragen Sie Frau Andrea

Der Weli

Stadtleben | aus FALTER 19/04 vom 05.05.2004

Liebe Frau Andrea,

warum steht auf der Schellen-Sechs der einfachdeutschen Jasskarten das Wort WELI, und was bedeutet es? Es ist das einzige Bild im ganzen Deck mit einer Aufschrift. Und warum ist neben den Schellen eine Eichel und ein Herz, aber kein Laub auf diesem Bild dargestellt? Befindet sich das Laub etwa in der Urne auf dem Grabstein und hat zu Lebzeiten WELI geheißen? Mit freundlichen Grüßen, Kurt Bracharz

Lieber Kurt,

die 36 Bilder, die Vorarlberger für ihr Nationalspiel Jass verwenden, sind gleichzeitig die Karten für das Watten. Die Tiroler brauchen für ihren Nationalsport allerdings nur 33 Bilder, sie stanzen drei der Sechser und behalten nur den Schellen-Sechser, den "Weli". Er hat in den meisten Varianten des Wattens, Bietens, Perlaggens und Schnellens die Funktion eines Jokers. Weli wird korrekterweise nicht Wehli, sondern Welli ausgesprochen. Die Wurzeln des Wattens vermutet man im Ladinischen, wo Watten heute noch Battadù (schlagen oder klopfen) genannt wird. Der Wel(l)i kommt vom italienischen Belli, Schellen. Auf alten Welis sind noch alle anderen Farben, also neben den sechs Schellen noch je eine Eichel, ein Herz und ein Laubblatt zu sehen. Der Weli mit dem Grabmahl erscheint zum ersten Mal 1890 in einem Kartenspiel von Josef Fasser in Innsbruck. Daneben kursierten Welis mit burlesken Figuren, ja sogar ein Panther findet sich auf einer Welivariante. Im Grabmal auf Ihrem Weli schlummert niemand Geringerer als der Apostel Petrus, der nach muslimischer Tradition als Weli, als Heiliger bekannt ist.

Fragen Sie Frau Andrea" gibt es auch als Falter-Buch! dusl@falter.at


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