PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Modetrends 2004

Stadtleben | aus FALTER 19/04 vom 05.05.2004

... Singt dem Herrn ein neues Lied ...

Ps 98(97),1-2 (Eröffnungsvers am 5. Ostersonntag)

Bei den Jeansboys werden die Hosen wieder schlaffer, die Glockenhosen verkommen unaufgeblüht, und ein paar Mal sah ich weit über die Kapuzenidee hinausgehende, schwarze gewaltige Haarverschleierungen an zierlichen Buben, wie vom Islam bezaubert. Was trägt beispielsweise eigentlich der schwule Islami korrekterweise 2004? Der Girlie-Look verkommt in der Hauptstadt und hat Ohlsdorf erreicht, denn in Wien sind schon alle nierentransplantiert. Es ist doch sexy an zierlichen Mädchen, wenn sie ihre Schmerzen herzeigen vom Durchstechen des Nabels fürs Ringerl. Und indem die schwache Ohlsdorfer Direktion das jetzt so aufwertet, werden sich die Nieren vieler, vieler Ohlsdorferinnen verkühlen.

  Und auch den Trend vielleicht mir zerschlagen, den ich so spannend aufzukeimen glaubte in Wien: wie doch beträchtlich viele junge Christinnen offensichtlich bodenlange Kleider trugen mit einer kopftuchähnlichen Kopfbedeckung, was mich begeisterte, denn sie übten Solidarität mit den jungen Frauen des Islam. Ab einer geringeren Zierlichkeit ist die Christinnenbekleidung oft weit uneleganter als die Islaminnenkleidung. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Ohlsdorferinnensolidarität nicht die Islaminnensolidarität aushebeln wird. Und Handtasche trägt das Girlie wieder. Zuerst waren es die ganz jungen Chinesinnen, die, während ihr Restaurant Nachmittagspause hielt, voll Stolz ihre Taschen durch die Stadt trugen, und nun sind es alle. Sie tragen ihre Taschen wie ein Reich. Kleine elegante Dinger. Taschnerinnen im Glück. Sogar als Christiane Hörbiger zum Abschiedsgeschenk des Bundespräsidenten Kammerschauspielerin wurde, stellte sie ihre Handtasche voll Würde ihm zu Füßen. Weil ja dafür kein Geld ausgeschüttet wird, werden viele denken, als kleine Kritik zu Füßen des Bundespräsidenten, aber ich war mir bereits sicher, von der Taschenindustrie, die ja nun Jahrzehnte gedarbt hat, ein Jubelschrei, sie hat es geschafft wie die Kopfbedeckungsbranche schon die Jahre davor, die nun aber wieder ein klein wenig abnimmt.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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