Rot gesehen

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 20/04 vom 12.05.2004

POLIZEI Eine Frau geht bei Rot über die Kreuzung. Die Polizei legt ihr dafür Handschellen an. 

Vor drei Jahren verurteilte ein Strafrichter einen Hauptmann wegen Amtsmissbrauchs zu 40.000 Schilling Geldstrafe. Der Polizist hatte eine Frau vor ihren Kindern mit Handschellen gefesselt, weil sie bei Rot über die Straße gegangen war. "Es darf nicht sein, dass die Beanstandung einer Rotsünderin mit dem Abführen einer gefesselten Frau endet", konstatierte der Richter. Organe des Staates haben die Verhältnismäßigkeit zu wahren.

  Was hat die Polizei aus diesem exemplarischen Urteil gelernt? Vergangenen Donnerstag beobachtet der Pressesprecher eines großen Unternehmens (er ist dem Falter namentlich bekannt), wie "eine Frau in Businesskleidung" nahe der Universität bei Rot über die Kreuzung läuft. Sie gefährdet niemanden, Autos sind keine zu sehen.

  Ein Polizist, der die Szene beobachtet, stellt sich der Frau in den Weg. "Breitbeinig", wie der Zeuge sagt. Sie versucht, an ihm vorbeizukommen.


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