SPIELPLAN

Kultur | K. CERNY / W. KRALICEK | aus FALTER 20/04 vom 12.05.2004

Das Theater Spielraum hat für seine neue Produktion Originaldokumente aus dem späten 18. Jahrhundert als Material verwendet. Aus einer Dissertation über Frauen aus der Unterschicht, die permanent mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, wurde die Collage "Von Unzucht und Sinnen-Verruckung" (bis 14.5.) erstellt: Zwei Frauen, Kindsmörderinnen und Gelegenheitsdiebinnen, pendeln vor Gericht und gegen männliche Unterdrückung zwischen beharrlichem Lügen und Verrücktsein als aufmüpfiger Strategie. Dem feministischen Impetus im Programmheft und im Text hinkt die Ästhetik auf der Bühne lahm hinterher. Regisseur Gerhard Werdeker vermeidet psychologisches Spiel und sucht einen direkten körperlichen Weg: Allerdings kommt man sich vor wie in der Schauspielschule, wo für jeden Zustand eine Geste gesucht wird. Für die kleine Bühne wirkt hier alles zu groß und zu übertrieben.

  Das hauptsächlich dem Impro-Theater verschriebene urtheater hat sich mal wieder ein geschriebenes Stück vorgenommen: "Kommunikation der Schweine" (bis 22.5.) vom Robert Woelfl erinnert in seiner strengen Konstruktion und seinen formelhaften Dialogen an Beckett und hat mit Improvisation rein gar nichts zu tun. Der Plot: Ein in absurden Ritualen erstarrtes Ehepaar (Hermann Kogler, Petra Strasser) ermordet einen unfassbar freundlichen Handwerker (Thomas Seiwald) und gerät daraufhin in die Obhut eines höflichen Folterarztes (Willy Höller). Im dietheater Künstlerhaus beweisen Regisseur Gernot Plass und die vier Darsteller, dass sie auch mit einer formalistischen Vorlage wie dieser kein Problem haben. Ein guter Text, sauber gemacht und witzig gespielt. Und doch verlässt man das Theater nach 75 Minuten mit dem Gefühl, nicht wirklich satt geworden zu sein.


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