Lesen ist langsam

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 20/04 vom 12.05.2004

KUNST Der "Bloomsday" jährt sich zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass bedient sich eine Ausstellung bei James Joyces "Ulysses" und lädt so manches mit Bedeutung auf. 

Ein Lehrer, ein Anzeigenkeiler und eine Opernsängerin erleben den 16.6.1904 als schönen, gewöhnlichen Sommertag. Nichts Weltbewegendes passiert. Allerdings können Menschen im Laufe eines Tages so viele Dinge durch den Kopf gehen, dass der irische Schriftsteller James Joyce zwischen 1914 und 1921 an die tausend Druckseiten damit zu füllen vermochte. Da die Gedanken der Helden assoziativ über nicht wenige Kapitel abendländischer Geschichte schweifen, es aber gleichzeitig auch noch die unmittelbaren Bedürfnisse des leiblichen Daseins zu schildern gilt, scheint der nicht unbeträchtliche Seitenumfang durchaus angemessen. Aufgrund der virtuosen Verschachtelung verschiedener literarischer Genres und der schier grenzenlosen Ausdehnung der Sprachmöglichkeiten gilt der Roman als das kanonische Werk der literarischen Moderne


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige