KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 20/04 vom 12.05.2004

Tomatenrispe, die Zweite" könnte Simon Wachsmuths aktuelle Ausstellung in der Galerie Hohenlohe & Kalb (bis 11.6.) heißen. Bereits 2001 hatte der Künstler seine Überlegungen zur technischen Kultivierung von Natur anhand einer Skulptur aus Paradeiserstängeln und gezeichneten Glashäusern veranschaulicht. Für die jetzige Schau "of copying" goss Wachsmuth Rispen in Bronze und präsentiert diese filigranen Objekte auf einem selbst entworfenen, altertümlich anmutenden Studiertisch. Wachsmuth, Otto-Mauer-Preisträger 2003, kreiert mit seiner Kunst einfache Bilder, die es in sich haben: Es geht dabei stets um den Versuch, künstlerische Fragen mit wissenschaftlichen und kulturhistorischen Themen zu verknüpfen. So hängt neben den bronzenen Kleinplastiken der Text "Vademecum des Fälschers" des englischen Mathematikers Charles Babbage von 1833. Der Wissenschaftler beschreibt darin eine Möglichkeit, "Zweige der zartesten Gewächsproduktionen in Bronze darzustellen". Zu welchem Zweck diese Pflänzchen vervielfältigt werden sollen, bleibt unklar - vielleicht zählt einzig die Machbarkeit. Diese Kopie der Natur lässt nicht zuletzt an die technische Reproduzierbarkeit von Kunst denken, über die Walter Benjamin hundert Jahre später schreiben sollte.

  Die anderen Arbeiten der Schau kreisen vor allem um Abstraktionsvorgänge. Ein Video zeigt den gleichförmigen Weg einer Fähre im Loop. Anfänglich hat der ruhige Gang des Wassers fast etwas Romantisches an sich, das schließlich jedoch unterbrochen wird: Wachsmuth kennzeichnet die An- und Abfahrt mit je einem weißen und einem schwarzen Bild, das die Monotonie unterbricht und doch zugleich auch fortsetzt.


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