STADTRAND

Werbungsdom

Stadtleben | aus FALTER 20/04 vom 12.05.2004

Nein, oder? Kurz vor Redaktionsschluss kam noch eine Jubelpressemeldung herein: "Werbung am Stephansdom - Kritik wurde berücksichtigt". Wer jetzt glaubt, die Werbung am Südturm der katholischen Hauptkirche mitten in Wien würde jetzt wieder abmontiert, weil so was wirklich nicht geht, Reklame am Gotteshaus, man habe halt einen Fehler gemacht, jetzt wird alles wieder gut und so weiter, der irrt sich. Und zwar gewaltig. Denn seit Montag hängen am Turmgerüst neue Werbeplakate. Und wie hat man in der Erzdiözese die Kritik dann bitte schön "berücksichtigt"? Die neuen Sujets korrespondieren nun angeblich mit den Anliegen des mitteleuropäischen Katholikentages und seien dezenter gestaltet, heißt es. Konkret bedeutet das wohl: Hauptsache, das Wort "Gott" kommt im Werbetext vor, dann geht die Domreklame schon in Ordnung. "Ein sorgenfreies Grüß Gott den neuen EU-Nachbarn" lautet der Werbespruch der Versicherung, die Bank sagt via Großplakat "Grüß Gott den neuen EU-Partnern - in jeder Beziehung zählen die Menschen". Über welche neuen und "dezenten" Sprüche dürfen wir uns denn künftig freuen? "McGod - I'm lovin' it", "Gott - weil ich es mir wert bin", "Gott ist geil!" oder einfach nur "Weg mit dem Gott"? Wie wär's überhaupt mit "Kirche - wir holen dich da raus"? C. W.


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