Unser Häuptling

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 20/04 vom 12.05.2004

JUBILÄUM Mongo Stojka, Gentleman und imposantes Oberhaupt der Familie Stojka, überlebte vier KZs und einen Todesmarsch. Er war Teppichhändler, ist Sänger und Autor. Am 20. Mai feiert er seinen 75. Geburtstag. Porträt eines Mannes, dessen Leben eine Mischung aus Schelmerei und blankem Horror ist. 

Fünf Jahre ist es her, da wollte er das Grauen, das im Hirn und Herz seit Jahrzehnten spukt, das ihn im Schlaf schreien ließ, bändigen. Vor fünf Jahren begann Mongo Stojka das Unmögliche. Er vergrub sich zum ersten Mal in seinem Leben in die Vergangenheit, er begann Worte zu finden für Unaussprechliches. Für die Leichenberge. Für die Exekutionen. Für den Menschenhass. Für einen Satz, der auf Romanes, in seiner vokalreichen, musikalischen Muttersprache, lautet: Shov shene avile kere muri familie. Sechs Personen meiner Familie sind nach Hause gekommen.

  Jahrzehntelang zog Stojka einen Strich zwischen sich und die Vergangenheit. Zwischen das Heute und das Gestern. Und einen noch


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