PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Unzucht mit Gefangenen

Stadtleben | aus FALTER 20/04 vom 12.05.2004

... Der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Apg 15,1-2.22-29 (1. Lesung am 6. Ostersonntag im Lesejahr C)

Einmal lernte ich einen Mistkäfer kennen im Fernsehen. Der saß auf einem vollendet großen Misthaufen, mitten oben drauf, und drehte seine Kugel, und dann sah er, weit entfernt, einen anderen Mistkäfer kommen. Er verließ auf der Stelle seine Kugel und kämpfte mit dem anderen, bis er ihn verjagt hatte, dann kehrte er zu seiner Kugel mitten oben auf zurück. Auf dem Gebiet, hatte ich immer geglaubt, wäre ich anders, will wer in die Straßenbahn einsteigen, trete ich zur Seite und steige nach ihm ein, hätte ich geglaubt. Aber das liegt daran, ahne ich nun, dass es mich zu sehr anstrengt zu kämpfen. Besäße ich mehr Macht oder Kraft, wer weiß. Ich kenne es also, wenn der Papst alle Katholiken aufruft, unkorrekte Zelebrantys, die die Messe nicht schön und genau lesen, bei ihm zu vernadern. Ich kenne das alles auch aus mir heraus, wie es aufwallt und wie ich dann entscheide, also da ziehst du den Kürzeren, da machst du dich lächerlich, tue es nicht! Nur ein ganz kleiner Bereich ist durchkultiviert hochautomatisch, wo der Stolz sagt, das wäre unzivilisiert, das entspräche nicht der Humanität. Aber im Wesentlichen will ich nur mehr sitzen, den Kopf hängen lassen, die Augen geschlossen, und in der Müdigkeit schweben. Der hängende Kopf dehnt isometrisch die Nervenstränge aus, die zum Hirn führen, die sind dann trainiert und halten mehr aus. Vor dem Pflegeheim schrecken mich nur mehr die schrecklichen Kommandos des Pflegepersonals, und die Ärzte, die mir Pulver zu schlucken befehlen. Denn vom kleinsten Pulver krieg ich Kopfweh. So bleibe ich in meiner Wohnung sitzen, bis der Tod eintritt. Alle Nachrichten, die sie nicht müde werden, in den Medien mir ins Grab nachzureichen, schweben wie Schwaden durch meine letzten Dinge, und ich merke nichts mehr, lasse alles geschehen, es kommt kein Zorn mehr hoch, kein Aufruhr, nur mehr Ergebenheit, denn wer seine Wurstpapierln fallen lässt, kann nicht mehr toben und wüten, große Worte spucken. Sätze bilden. Die Liebe erträgt alles, duldet alles, nimmt alles hin. Ist also die Kloake, die sie Liebe nennen, wie die waidwunde Erschöpfung vor dem Tod? In Ergebenheit schwerelos schweben, alles verzeihen? Und das Weinen ist ihre Erfrischung? Der Unglücksrausch.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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