VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 21/04 vom 19.05.2004

Oft ist es ratsam, sich bei Überfülle von Großem auf das Kleine, Unscheinbare zurückzuziehen. Oder auf das Taxative. Zählen wir also auszugsweise auf, was ein Falter im Mai 1984 so brachte.

  Zum Beispiel einen Aufsatz von Erica Fischer gegen eine sich formierende Front von Abtreibungsgegnerinnen und -gegnern. Ein "Selbstgespräch" des Pornojägers Martin Humer, das nur aus Zitaten bestand. Ein Bericht aus Deutschland prangerte die Promigeilheit der grünen Spitzen an, namentlich die von Otto Schily und Petra Kelly. Ein zweiter Auslandsbericht handelte vom Iran und den Enttäuschungen des "Frühlings der Freiheit". 1979 war der Schah gestürzt, und nun musste der Autor des Falter-Beitrags anonym bleiben, "aus Sicherheitsgründen", wie die Autorenzeile bemerkt. Raimund Löw berichtete über einen bevorstehenden Generalstreik in Italien.

  In Wien nahm der zuständige Stadtrat Peter Schieder dem Falter gegenüber seine harte Linie in Sachen Wildplakatieren zurück und forderte Vorschläge. Der Schriftsteller Wolfgang Hermann unternahm einen Rundgang durch Ambulanzen, und Michael John und Christoph Winder brachten eine Reportage von Floridsdorfer Breakdancern.

  Die Kultur machte mit einer Nena-Apologie von Rainer Vesely auf, Peter Oswald berichtete von einen Philip-Glass-Uraufführung aus Stuttgart, Markus Brüderlin unternahm eine Kunstreise nach München und Zürich, Franz Schuh glossierte Rudolf John vom Kurier unter dem Titel: "Marcel Proust und Rujo, der Bube!", Elisabeth Loibl besprach die Probenarbeiten des Theater Angelus Novus an Heiner Müllers "Hamlet Maschine" und Erich Möchel, damals "Ehrenreich Meuchel", traf die irische Autorin Edna O'Brien zu einem Gespräch. Drei Seiten Buch- und Plattenrezensionen rundeten das Angebot ab.   A.T.


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