20 JAHRE FORCED ENTERTAINMENT

Auf der Suche nach den Spielregeln

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 21/04 vom 19.05.2004

Druckfrisch und pünktlich zum Geburtstag ist im Berliner Alexander Verlag ein stattliches, zweisprachiges Buch (deutsch/englisch) über die britische Performancegruppe Forced Entertainment erschienen, das auch die neueste, in Wien präsentierte Arbeit "Bloody Mess" bereits berücksichtigt. Herausgegeben von den Journalisten Judith Helmer und Florian Malzacher, versammelt "Not Even a Game Anymore" sehr verschiedene Zugänge zum Werk des vielseitigen Theaterkollektivs rund um den Autor und Regisseur Tim Etchells: Wissenschaftliche Analysen stehen neben essayistischen Annäherungen (Hans-Thies Lehmann schließt Forced Entertainment mit Shakespeare kurz), subjektive Eindrücke finden sich (etwa von Matthew Goulish, der mit Etchells das "Institute of Failure" gründete) neben informativen Rückblicken von Patricia Benecke (Theater heute) auf erste Arbeiten in den Achtzigerjahren bzw. von Judith Helmer über die innovativen Ansätze ab den Neunzigerjahren, das Theater spielerisch auf seine grundlegenden Prinzipien zu untersuchen.

  Nicht nur das Theater, sondern auch die CD-ROMs von Forced Entertainment werden - von der Theaterwissenschaftlerin und Dramaturgin Astrid Sommer - ausführlich vorgestellt. Tim Etchells selbst hat einen Text "über 20 Jahre mit 66 Fußnoten" beigesteuert; ein Interview mit ihm findet man ebenfalls. Die vielen Fotos vermitteln schön die typische Low-Fi-Ästhetik der Sheffielder Theaterband. "Not Even a Game Anymore", die erste Buchpublikation überhaupt zu Forced Entertainment, ist ein schönes Geburtstagsgeschenk - für alle, die jetzt endlich nachgucken und nachlesen können, was sie an Forced Entertainment immer schon fasziniert hat.

Judith Helmer/Florian Malzacher (Hg.): Not Even a Game Anymore. Das Theater von Forced Entertainment. Berlin 2004 (Alexander). 320 S., zahlreiche Abb., E 20,50


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige