SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 21/04 vom 19.05.2004

Zweimal Theater im (Wiener) Dialekt. Zweimal stimmt die Klangfarbe - auch wenn's manchmal an "Kaisermühlenblues" erinnert. Im Metropol zeigt der Theaterverein Spielhalde (bis 22.5.) Peter Turrinis "Rozznjogd". Vielleicht liegt es ja nur an den jungen Darstellern im trendigen Outfit, aber irgendwie ist das zornige Stück um zwei zornige junge Menschen von 1971 in die Jahre gekommen. Irgendwas fehlt hier - nicht nur Handys, sondern auch die Siebzigerjahre-Unschuld. Die Inszenierung von Caro Welzl arbeitet brav Turrinis Konsum- und Urbanismuskritik heraus, Globalisierung war schließlich damals noch kein Thema. Marie Miklau und Bernhard Dechand sind als Darstellerpärchen für den intimen Rahmen eine Spur zu laut, in den Gesten meist viel zu groß. Und wer mit der Puffn auf Zuschauer zielt, sollte auch den Mut haben, sich ganz nackig zu machen: Runta mit da Kombinesch!

  H.C. Artmanns Dialektversion von Kleists "Der zerbrochene Krug" steht (bis 26.6.) im Ensemble Theater am Spielplan, in der der Autor auch schon mal hochdeutsch parlieren lässt. Besonders, wenn's was Wichtiges ist. Paola Aguilera hat die Gerichtssaal-Komödie nach dem Konzept der kürzlich verstorbenen Regisseurin Michaela Scheday inszeniert, das Theater-Ensemble bringt den immer wieder spannenden Lustspielklassiker solide und handwerklich tadellos. Dorfrichter Adam (Fritz von Friedl) ist genauso polternd wie weinerlich, der Gerichtsrat (Ronald Rudoll) super dekadent und die Witwe Rull (Erika Deutinger) beharrlich streitsüchtig - grad so, wie sich das gehört. Die Zuschauer sitzen mitten in der Amtsstube und können die feinen Gesten und Querverbindungen studieren. Das ist dann auch der Unterschied zum "Kaisermühlenblues".


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