Furor der Empörung

Kultur | DANIELA STRIGL | aus FALTER 21/04 vom 19.05.2004

LITERATUR Am 12. Mai starb Michael Guttenbrunner. Das Werk des streitbaren Kärntners zeugt von einer Zeitgenossenschaft abseits der Moden. 

Kaum einer war so sehr Zeitgenosse und seiner Zeit so fern wie er. In seiner Lyrik verbeugte er sich vor Hölderlin, er verachtete die Privatisierer der Schöpfung, maßregelte den Kardinal, der den Stephansturm zum Werbeträger gemacht hatte, hasste die Baumumschneider und Lärmerreger, und auch die Love Parade war ihm ein unbegreifliches Gräuel. Michael Guttenbrunner war beseelt vom Furor der Empörung. Zugleich nahm er bis ins hohe Alter an allem teil und Anteil und münzte es um in das feingeprägte Gold seiner Prosa: "Ich schreibe wie Peter Altenberg, was der Tag mir zuträgt', und übe so einen Journalismus, der nichts an den Tag zurückgibt und zunächst kaum jemandem zur Kenntnis gelangt."

  Mit dem Journalismus, wie ihn Karl Kraus, sein Wegweiser in allen Geistesdingen, in Acht und Bann getan hat, wollte Guttenbrunner sich nicht gemein


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