KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 21/04 vom 19.05.2004

Figurative Malerei ist wieder in. Das beweist der Blick in eine x-beliebige Kunstzeitschrift: überall zu Öl konvertierte Motive aus Medien und Popkultur, mehr Bilder als Text, ganz wie es unsere ikonozentrische Epoche will. Dieser kunstmarktfreundliche Trend zeitigt unerwartete Effekte. Zum Beispiel, dass der Achtzigerjahre-Maler Alois Mosbacher jetzt mit einer großen Einzelausstellung in der Secession (bis 20.6.) vertreten ist. In den letzten Jahren malte der fünfzigjährige Künstler unermüdlich Hühner und danach Hunde. Zuletzt hat er sich dem Thema Wald zugewandt. Die Vorlagen für den aktuellen Werkzyklus "Out There" stammen aus dem Internet, vor allem von Foren so genannter "Live Acting Role Plays". Dabei handelt es sich um im Netz dokumentierte, aber real ausgetragene Fantasyspiele für Erwachsene (Männer). Überhaupt, "It's a man's wood": Wenn auf den zügig gemalten, unprätentiösen Bildern mal eine Frau vorkommt, dann wirkt sie eher wie eine Märchenfigur. Die porträtierten Typen lieben Masken, versteckte Hütten und Waffen. Trotzdem macht die labyrinthisch gestaltete Ausstellung Spaß: Mosbacher beweist Selbstironie und hält in seinem Gehölz formale wie inhaltliche Überraschungen bereit.

  Eine recht "männliche" Ausstellung liefert auch der 1968 geborene Bernhard Fruehwirth. Mehrere Tonnen Erdreich mussten in das Grafische Kabinett der Secession geschafft werden, um dort eine Böschung nach des Künstlers Vorstellung zu errichten. Nur noch ein Streifen Tageslicht strömt durch die zugeschütteten Fenster, dafür sorgt Fruehwirth witzigerweise mit einem goldenen Föhn für Wind. Erde und Gold, da ist es nicht mehr weit zum Geld, dem psychoanalytischen Pendant von Kot. An den Wänden des Raumes hängen abstrahierte Zeichnungen von symbolträchtig ausgeschmückten Wertpapieren. Vom künstlerisch aufgewerteten Erdhügel zieht Fruehwirth so eine spöttische Analogie zu abstrakten Vermögenswerten, wodurch er die ökonomische Schlagseite seiner Schau betont.


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