STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 21/04 vom 19.05.2004

Kommissar Pinto hat Probleme: Eine männliche Leiche am Strand, eine rätselhafte Videoaufnahme und eine Hauptverdächtige, die mehr und mehr zur Obsession für ihn wird. Was hat es mit der Musikstudentin aus Wien, die sich als Touristin rund um Lissabon herumtreibt, auf sich? War sie Opfer der Intrige, oder zog sie die Drähte? Quasi im Rückwärtsgang tastet "Der gläserne Blick" sich an die "Lösung des Falls" heran, die allerdings bis zum Schluss im Dunklen bleibt. Selbst das "Beweismaterial" produziert falsche Fährten am laufenden Band, ein erzählerisches Verfahren, das mehr mit der Tradition des Nouveau Roman als der heimischer Kriminalfilme zu tun hat. Markus Heltschl führte bei diesem österreichisch-portugiesischen Kunstthriller Regie, Christian Berger mit viel Gespür für stimmiges Licht und Bildeffekte die Kamera. In den Hauptrollen versuchen Sylvie Testud und Miguel Guilherme ihr Bestes.

  Probleme ganz anderer Natur machen Ana, der Tochter einer mexikanischen Einwandererfamilie in Los Angeles, zu schaffen: Sie ist zu dick, wird trotz eines Stipendiums nicht an der Columbia studieren dürfen und muss den Sommer über in der kleinen Näherei ihrer ältesten Schwester aushelfen. "Real Women Have Curves" heißt die Komödie von Patricia Cardoso, die 2002 gleich bei mehreren Filmfestivals sämtliche Publikumspreise abräumte; und das zu Recht, denn bei allen dramaturgischen Klischees, deren sich diese Produktion des US-Fernsehkanals HBO bedient, entwickelt das großteils weibliche, von der erst 18-jährigen America Ferrera angeführte Ensemble beträchtlichen Charme. Gegen den Schluss zu, wenn Ana wegen der Hitze im Sweatshop eine mittlere Revolution anzettelt, ist das nicht nur ziemlich witzig, sondern gibt dem Film noch ein durchaus widerständisches Moment.


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