Fragen Sie Frau Andrea

Tussi

Stadtleben | aus FALTER 21/04 vom 19.05.2004

Sehr geehrte Frau Andrea,

jüngst wird (auch im "Falter") das Wort "Tussi" als Gegenstück zu "linke Emanze" gebraucht. Ist das wirklich korrekt? Mein Freund schlägt dagegen "rechte Pfarrersköchin" vor. Auch "oide Schastrommel" habe ich schon gehört, was auch immer das bedeuten mag. Wissen Sie, woraus sich die Bezeichnung "Tussi" ableitet? Gibt es da eine historische Referenzperson?

Bussi,Magdalena Schneider

Liebe Magdalena,

das Gegenstück zur linken Emanze wäre nach den Gesetzen der sprachlichen Symmetrie eine rechte Demanze. Dem kommt die konservative Pfarrersköchin (in katholischen Landen das Synonym für Priestergattin) doch schon sehr nahe. Wie überhaupt Frauen, die sich hinter der Bezeichnung Gattin oder Gemahlin verbergen, für das Gegenteil zu "linker Emanze" grundsätzlich infrage kommen. Alte Schastrommeln hingegen sind auch im linken Lager zugange. Der Begriff Tussi, mit dem meist junge, oft unverheiratete und stets unteremanzipierte Frauen bedacht werden, müsste eigentlich "Thusi" geschrieben werden, kommt er doch von Thusnelda. Der Name geht zurück auf die Tochter des Cheruskerfürsten Segestes, die - obwohl schon verlobt - von Arminius entführt und geheiratet wurde. Segestes raubte sie zurück und lieferte sie den Römern aus, die sie zusammen mit ihrem Sohn im Triumphzug durch Rom führten. In der ewigen Stadt wurde Thusnelda die Geliebte des Feldherrn Germanicus, später auch die seiner Generäle und anderer Vertreter der haute société tiberienne. Bussi, Bussi.

Frau Andrea gibt es jetzt auch als Falter-Buch. dusl@falter.at


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