VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 22/04 vom 26.05.2004

Folgende Frage: "Ist das nicht die Gefährlichkeit dieses Journalismus, wenn seine Protagonisten, die über politische und kulturelle Phänomene berichten, ihre eigene Arbeitspraxis nicht durchschauen, weil sie ,drinstecken'?" das fragte Franz Schuh den gewesenen profil-Journalisten Gerhard Mayer in einem Falter-Interview, das für beträchtliche Aufregung sorgte.

  Mayer hatte sich in einem Buch mit dem Titel "Zwischen den Zeilen" mit seiner Magazinvergangenheit auseinandergesetzt. Unter anderem war er damit berühmt geworden, dass er sich in die psychiatrische Klinik am Steinhof einschlich und dort wochenlang als Pfleger arbeitete, um anschließend in profil die skandalösen Zustände zu schildern. Das war eine jener Geschichten, mit denen das Nachrichtenmagazin damals die Republik aufmischte. Den mahnenden Begleitton zur Aufmischung lieferte stets profil-Herausgeber Peter Michael Lingens.

  Der wollte nun nicht glauben, dass im Falter tatsächlich ein Interview mit Mayer erscheinen würde. Noch weniger wollte er glauben, dass sich Franz Schuh, der es führte, sich nicht für skandalisierte private Umstände in Lingens' Leben interessierte, sondern dafür, wie ein Nachrichtenmagazin funktioniert, das Macht ausübt. Dieses Interview und sein Nachspiel werden uns noch beschäftigen; diesmal wenden wir uns dem Vorspiel zu. Bereits vor Erscheinen des Interviews gingen Lingens-Briefe an die Redaktion, die uns über Mayer informieren sollten. Gegen Lingens als Figur der österreichischen Öffentlichkeit hatten wir genügend polemisiert. Nun warfen wir ihm vor, nicht auf unsere polemischen Aufforderungen zur Debatte reagiert zu haben, sondern erst "auf einen Artikel, der noch gar nicht veröffentlicht, ja kaum noch geschrieben war". Und selbstverständlich druckten wir das Schuh-Gespräch mit Mayer. Auszüge daraus im nächsten Falter. a. t.


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