FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 22/04 vom 26.05.2004

Harald Schmidt ist Gott. Anke Engelke hat Gottes Job geerbt. Alleine damit ist die Frau schon gestraft ("Anke Late Night", Sat.1, Mo-Do 23.15 Uhr). Das schafft die eh nicht, schreiben viele Auskenner. Gebt ihr eine Chance, meinen andere, die Engelke für ein Entertainment-Talent halten. Es wurde jedenfalls Zeit, dass endlich eine Frau im deutschsprachigen TV eine Late-Night-Show bekommt, Rosie O'Donnell macht das schließlich auch schon lang. Und warum müssen immer nur grau melierte distinguierte Herren hinter dicken Schreibtischen hocken und vorgeschriebene Wuchteln runterbeten? Engelke sollte sich weniger vor dem Nimbus ihres Vorgängers fürchten und einkrampfen, sondern lieber an ihrer Interviewtechnik arbeiten. Denn bisher kam sie bei den Gesprächen nicht richtig in die Gänge, sogar beim flotten Berliner Bürgermeister Wowereit scheiterte Engelke. Schmidt hingegen war ein großartiger Interviewer - allerdings nur, wenn er den Gast mochte. Für Viva-Bubis, die ihm die Redaktion reinsetzte, hatte er nur Desinteresse über, dementsprechend lähmend verlief die Unterhaltung dann auch. Und eines kann Engelke auch noch trösten: Heute macht Gott nur mehr schlechte Werbung. Weil Gott Geld so gerne mag.


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