KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 22/04 vom 26.05.2004

Es ist schon eigenartig, wie nachhaltig der Trend zur Aufarbeitung von Positionen der Sechziger- und Siebzigerjahre das zeitgenössische Ausstellungswesen prägt. Während im Mumok abgebrochene Künstlerlaufbahnen vorgestellt werden (siehe Seite 69), präsentiert die Generali Foundation die "kurze Karriere" der 1982 ermordeten koreanisch-amerikanischen Künstlerin Theresa Hak Kyung Cha. In der Retrospektive "Der Traum des Publikums" heißt es eintauchen in die meditativ-melancholischen Sprachforschungen einer Exilierten, die ihr Heimatland mit 13 Jahren verlassen musste und deren Kunst Entfremdungserfahrungen anhand der semantischen Unschärfe von Sprache durchdekliniert. So zum Beispiel in der Film- und Videoinstallation "Exilée", in der zuerst das titelgebende Wort zerlegt wird und die Künstlerin anschließend zu asiatisch konnotierten Schwarz-Weiß-Bildern (Teeschale, Bambus) spricht. Dass es hier um die 16 Stunden Zeitdifferenz zwischen San Francisco und Chas Herkunftsland geht, ist aus dem Voice-over allerdings nur schwer herauszufiltern.

  Die Ausstellung zeigt Videos, Diainstallationen, Künstlerbücher und Fotos von Performances, die von Anfang der Siebziger bis zu Chas Tod im Alter von 31 Jahren entstanden sind. Etliche der Papierarbeiten der Schau erinnern an die konkrete Poesie. Im Katalog wird aber darauf hingewiesen, dass Cha besonders von Stéphane Mallarmés hermetischer Lyrik und dessen typografisch unkonventionell gestaltetem Gedicht "Un Coup de Dés" (1897) beeinflusst war. Das alles muss man mögen; denn Chas weinerliche Stimme, die esoterische Aura vieler Arbeiten und der fast vollständige Mangel an Humor können auch ziemlich nervötend sein.


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