Fragen Sie Frau Andrea

Schiffen

Stadtleben | aus FALTER 22/04 vom 26.05.2004

Liebe Frau Andrea,

länger schon sinne ich über das Wort "schiffen", das Männer für urinieren verwenden. Woher kommt dieses Wort? Ist es ordinär

(im Sinne der absichtlichen Verletzung der Schamgrenze einer anderen Person), das zu sagen? Was empfinden Frauen bei diesem Wort? Ist es gesellschaftsfähig zu sagen "Ich geh mal schiffen" oder sollte man sich eher ans "für kleine Buben" halten?

Hans Höfferer, Schwanenstadt

Lieber Hans,

"navigare necesse est", "schiffen tut Not", hieß es zur Zeit unserer Großväter, wenn vom Harndrang die Rede war. Das Wort kommt aus der Studentensprache des 18. Jahrhunderts und leitet sich vom Ausdruck "Schiff" für Nachtgeschirr ab. Frauen empfinden das Wort wohl als typisch männlich, wie wir überhaupt die explizite Erörterung von Stoffwechselvorgängen den Talenten von Männern zurechnen dürfen. Statt

auf die Toilette "für kleine Buben" zu gehen, sollten Sie sich angesichts der eindeutigen Zweideutigkeit dieses Ausdrucks gut überlegen. Gesellschaftsfähigere Ausdrücke fürs Pieseln, Pinkeln, Brunzen und Soachen sind "das Pudern der Nase" oder "das Wechseln des Parkscheins". Unter internationalen Freunden mag es beim Besuch der Kleinseite auch angehen, "to do number one", "to wash one's hands", "to see a dog about a boy" or "a man about a dog". Nicht weniger gespreizt wäre es, "Kaprun ans Netz gehen zu lassen" oder "die Kinder zum Teich zu bringen". Gerne werden auch "die Kacheln gegossen", "Stangen Wasser abgestellt" oder einfach mal "nach den Pferden geschaut".

"Fragen Sie Frau Andrea" gibt es auch als Falter-Buch! dusl@falter.at


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