Fernsehen

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 23/04 vom 02.06.2004

Menschen mögen Königstratsch, dachten sich die schlauen ORF-Unterhaltungsmenschen, wie sehr werden sie dann erst eine niveauvolle Klatschrunde über eine unglückliche Kaiserin aus den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts mögen. "Soraya - der Mythos" hieß dann das skurrile Ding, das nach dem TV-Film über das Leben der Kurzzeitgattin des letzten Schahs von Persien ausgestrahlt wurde. Da saßen dann die Journalistenomi im Rollstuhl, die vor fünfzig Jahren Klatschgeschichten über Soraya geschrieben hat, der Stanglwirt, bei dem Soraya Tirolerlieder gesummt hat, irgendeine Cousine, Filmpapst Hellmut Karasek, der was über Glamour schwadronierte, eine blasierte Ira Fürstenberg, die mit Soraya auf irgendwelchen Partys gesmalltalkt hat. Und der Schaupieler Errol Sander, der im Film den Schah gespielt hatte, musste via Liveschaltung die Persönlichkeitsstruktur des Herrschers analysieren. Dazwischen kämpften die Moderatoren eineinhalb Stunden gegen Genervtheit und Langeweile: Karl Hohenlohe, unglücklich und unlustig in der Schabrackenrunde, Ingrid Thurnher nur mehr verzweifelt. Um Himmels willen, was kommt als Nächstes: "Horst Tappert - die Legende", als Draufgabe auf "Horst, der Film"?


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