"Respektlosigkeit macht zornig"

ROBERT MISIK | Politik | aus FALTER 23/04 vom 02.06.2004

AUSLAND Ryszard Kapuscinski, der vielleicht grandioseste Reporter der Gegenwart, über das Desinteresse des Westens an der Dritten Welt, die Akkumulation von Demütigungen der unterentwickelten Gesellschaften und warum er auch mit 72 Jahren noch sein Leben riskiert. 

Ryszard Kapus´cin´ski, 72, war seit den Fünfzigerjahren Korrespondent der polnischen Nachrichtenagentur PAP in Afrika, Lateinamerika und China. Was er auf seinen ausgedehnten Reisen sah, beschrieb er von Beginn an auch in großen Reportagen von außerordentlicher literarischer Qualität. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, nennt man ihn auch schon den "Reporter des Jahrhunderts". Er hat rund vierzig Staatsstreiche, Revolutionen und Kriege erlebt, nicht wenige davon aus der vordersten Reihe. Aber nicht der Thrill trieb ihn, sondern das Gespür dafür, dass sich in großen, den "konfliktiven Ereignissen" (Kapus´cin´ski) die Wahrheit verdichtet, die er suchte. Kaum eine Möglichkeit, sein Leben zu riskieren, ließ Kapus´cin´ski

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