AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 23/04 vom 02.06.2004

Gefallen am Schauspiel ist Bedingung, um auch an "Solarplexus" Gefallen zu finden, den Lyrikmonologen des Theatermachers Albert Ostermaier. Medizinisch benennt der Titel einen Nervenknoten. Jeder Mann geht zu Boden, wenn er sich dort einen Schlag einfängt. Damit sind wir beim Thema, das Ostermaier auf die Netzhaut seines lyrischen Ichs projiziert, als würde in dessen Augäpfeln eine Laufschrift vorbeiziehen. "irgendwann wird alles gut / und du schnappst nicht / beim aufstehen nach luft / als müssten im nächsten / moment sauerstoffmasken / von der decke fallen", jammert der im täglichen Kleinkrieg um Anerkennung und Liebe wund geschossene Großstadtwolf. Selbst wenn Ostermaier Impressionen aus den totalüberwachten Flughäfen in Politprotest überführt, will er nur die suizidalen Befindlichkeiten neu modifizieren, sie vor eine unverbrauchte Kulisse stellen.

  Auch Kunst oder Unfall ist im Subventionskunstkontext daheim; allerdings nicht auf der großen Bühne wie Ostermaier, sondern


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