Balzac im Saustall

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 23/04 vom 02.06.2004

FILM In seiner Romanverfilmung "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" erzählt Dai Sijie von einer Jugend unter Mao. 

Steinstufen und immer mehr Steinstufen. Vorbei an Felsbrocken und hellgrünen Farnen scheinen sie direkt in den Himmel zu führen. Doch die beiden jungen Männer, die sie mit schwerem Gepäck erklimmen, erwartet alles andere als das Paradies: Man schreibt das Jahr 1971, und die Gymnasiasten Luo (Zhou Xun) und Ma (Liu Ye) sind unterwegs in ein abgelegenes Dorf im zentralchinesischen Phönixgebirge, wo ihnen die "revolutionären Bauern" im Sinne Maos den intellektuellen Dünkel austreiben sollen.

  "Umerziehung" lautet das Stichwort und bedeutet de facto: tagein, tagaus Kot in hölzernen Kraxen schleppen, um damit die Reisfelder zu düngen, bäuchlings durch ungesicherte Minenschächte kriechen oder über einem Saustall schlafen. Ein auf Umwegen erlangter Koffer voll verbotener Westliteratur, darunter die chinesische Übersetzung der Werke Balzacs, verheißt zumindest


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