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Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 23/04 vom 02.06.2004

Dramatisierungen von Kafka-Romanen sind meistens schlimm. Inszenierungen von Schauspielern auch. Wie schlimm muss dann erst die von einem Schauspieler inszenierte Dramatisierung eines Kafka-Romans sein? Die Antwort darauf liefert das Volkstheater, wo Helmut Berger "Amerika" inszeniert hat: ziemlich schlimm. Die Geschichte des Karl Roßmann, der von seiner Familie aus Prag in die USA verbannt wird, wo es ihm aber auch nicht besser ergeht, wird in dieser Lowest-Budget-Produktion (gespielt wird vor dem Vorhang, im Parkett und in den Logen) ganz naiv nachgestellt; die Schauspieler - darunter gute Leute wie Günter Franzmeier, Thomas Kamper oder Karl Ferdinand Kratzl - tragen Frack, Zylinder oder Melone und agieren durchgehend auf der Tiefe ihres Könnens; nur Xaver Hutter in der Hauptrolle zieht sich durch Nichtspielen halbwegs unpeinlich aus der Affäre. An solchen Abenden ahnt man, warum Franz Kafka seinen Nachlass vernichtet wissen wollte.


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